Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

Souvagne 1077.
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Mitch
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Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

#1

Beitrag von Mitch » Sa 30. Mär 2019, 19:07

Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9


Team 9 der Operations Speciales, kurz OpsSpecE9, war spezialisiert auf Razzien in Strafverfolgungs-Angelegenheiten im In- wie auch Ausland. Im Grunde waren die Mitglieder von Equipe/Team 9 Kopfgeldjäger im Namen der SouvSec. Jedenfalls legte Rivkin unseren Job so aus.

Letztendlich wurde unser Team auf Grund von Gewalttätigkeit und Ungehorsam aufgelöst. Vas rekrutierte mich in das Team der Grasschlangen. Aber bevor es soweit war, meißelte Rivkin den Ruf seiner Truppe in Stein.


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Mitch
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Re: Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

#2

Beitrag von Mitch » Sa 30. Mär 2019, 19:19

Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9


Team9/Equipe9-Mitglieder:

Rivkin – Tuteur/Leader
Pirk – Tuteur
Samir – Tuteur
Mitchell – Tuteur
Arsan – Tuteur/Neuling
Daisy - Hunde-Chimäre


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Mitch
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Re: Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

#3

Beitrag von Mitch » Sa 30. Mär 2019, 19:30

Auswahl Mitchell – Aufzeichnung Rivkin
OpsSpecE9-Akten-Vermerk, Freigabe Status grün lt. MAX

Rovi hatte das Team verlassen und zwar indem er starb. Wir trauerten angemessen um ihn, aber das Leben und der Job gingen weiter. Gemeinsam mit Sam und Pirk schaute ich mir die möglichen Neuzugänge an. Bis ich die Unterlagen von Mitchell in der Hand hielt.

„Ihn“, grinste ich Pirk megabreit an.
„Warum ist klar“, grinste Pirk zurück.

„Halt den Schnabel! Was soll ich mir die anderen angucken, wenn ich mich spontan entschieden habe? Unser Team muss funktionieren und da kann ich mir keine Saftsäcke leisten, die wie die Fliegen umfallen. Stimmen die Daten?“, hakte ich sicherheitshalber nach.

„Weit über 200 cm, er ist einer von uns – das wird stimmen“, antwortete Pirk gut gelaunt.
„Gut, stand nicht dabei, ich akzeptiere keine Menschen in unseren Reihen. Allesamt Weichflöten. Schreib eine Anforderung mit Dringlichkeitsbedarf“, befahl ich Pirk und Sam boxte mir vor die Schulter.

Der Truck kam pünktlich.

Mitch stieg mit einem unbekannten, gerüsteten Inhumanoid, vermutlich ein GMO, aus dem Truck. Er übergab mir die Schlüssel, sowie seine Papiere. Ich musterte ihn mit Argusaugen und taxierte jeden Millimeter von seinem Körper.

Dabei hoffte ich, dass ich nicht allzu dämlich glotzte. Mitch war nicht einfach nur ein großer Kerl. Das wäre eine grobe Untertreibung. Er war ein Panzer. Sein Körper war perfekt geformt und ohne jedes Fett. Sein Hintern war knackig. Das schwarze Shirt an ihm sah aus wie aufgemalt.

Das riesige Tier das ihn begleitete, war nicht weniger furchteinflößend als sein Herrchen. Laut Unterlagen hieß es Daisy, auch "die Stahlbeißerin" genannt. Bei dem Maul von Daisy war der Name wohl Programm. Sie sah aus, als könnte sie sich tatsächlich durch Stahl beißen.

Schwer zu sagen, was Mitch in den ersten Minuten über mich dachte, oder ob er überhaupt irgendwas über mich dachte. Ich starrte ihn an und hatte nicht jugendfreies Kopfkino was ihn und seinen Knackarsch anging. Und jetzt hatte ich ihn in meinem Team. Einfach so. Das Leben kann so schön sein...


(Aufzeichnung endet hier durch Beschädigung...)


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Mitch
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Re: Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

#4

Beitrag von Mitch » Mo 1. Apr 2019, 17:36

Schnaps

Ich war am Hunger-Gürtel, letzte Bastion der Noch-Menschheit vor der Grube.
Eine echte Absteige, kein Dach, der schlechteste Fusel den ich je getrunken hatte und nirgends ein bekanntes Gesicht. Es war mir egal. Mir war kalt, ich fühlte mich fiebrig – mir ging es einfach richtig Scheiße und mit jedem Becher Schnaps den ich runterkippte ging es mir beschissener.

Oh ich wusste genau, dass ich dieses Zeug nicht trinken sollte, wenn ich es persönlich nutzen sollte vielleicht als Farbverdünner, aber als Getränk sicher nicht.

Rivkin würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber er war nicht dabei also war es gleich. Ich war fertig und ich wollte mich einfach nur volllaufen lassen und von niemanden was hören oder sehen. Den Einsatz den ich Stunden davor gerissen hatte, war einfach nur Scheiße gelaufen.

Der Kerl zu meiner Rechten und die grauhäutige, Einäugige zu meiner Linken standen auf und gingen davon. Das hieß Ärger. Wurde man in so einer Gegend umgebracht, war es üblich dass die restlichen Gäste das „Opfer“ auf den Boden rollten und dann sofort wieder vergaßen.

Die seltsame Stimme hinter mir kannte ich. Naja meine Stimme ist auch nicht besser. Ich umklammerte meinen Becher und sah mich rasch im ganzen Raum um, super dass ich ausgerechnet jetzt einen in der Krone hatte. Die Spelunke war überfüllt, wie jede andere illegale Kneipe.

„Du hast Scheiße gebaut“, betonte die Stimme und eine Hand legte sich auf meine Schulter. Ich habe bereits genug Kneipen-Hinrichtungen auf beiden Seiten erlebt – SouvSec wie Schlächter um mich damit auszukennen.

Irgendein Kerl stellt sich hinter einen, sagt irgendwas, legt einem die Hand auf die Schulter um die Hebelwirkung besser nutzen zu können und dann gibt es ein Messer in den Rücken, schräg von oben.

Ergebnis ist ein halbseitig gelähmtes Opfer und nur sehr wenig verräterischer Blutverlust.

An sich keine schlechte Vorgehensweise, abgesehen von der „kleinen Ansprache“ die bei Vollpfosten scheinbar immer dazugehört.

Damit verschenkt man nur den Überraschungsmoment. Hatte ich so einen Auftrag, kam ich zum Töten nicht um noch zu plaudern.

Nun diesmal war ich Empfänger der Botschaft.

Mein Blick zuckte von einem kleinen Haufen aufgestapelter Steine zu einer Horde Habenichtse die sich zwischen den anderen Gästen hindurch drängten und einen verrosteten Stahltisch an der gegenüberliegenden Wand ansteuerten.

Ich blickte zu den Sicherheitsdienstlern hinüber, die ich bislang erkannt hatte. Ich schätze, sie würden ungefähr zwanzig Sekunden brauchen, um mich zu erreichen. Ich hatte als Schlüpfling schon Leute in wesentlich kürzerer Zeit umgebracht.
Heute war nicht mein Tag. Ich bewegte mich nicht sofort – für mich gab es keinen Grund zusammenzuzucken. Nur Vollpfosten glauben, es ist schwieriger ein Ziel zu treffen, das immer in Bewegung ist. Solche Trottel schlagen immer um sich, Ich wusste es besser. Ich war nicht umsonst das älteste Wesen im Raum.

Während die schwere Hand auf meiner Schulter lag und mein Schlüsselbein umklammerte, um möglichst einschüchternd zu wirken, nahm ich mir einige Sekunden Zeit die Umgebung zu sondieren.

Erste Grundlagen der Polizeiarbeit und eines jeden Killers – Lagesondierung.

Ich sah alles – jedes Gesicht, jede Sitzposition, jeden Stuhl, jeden Tisch und jeden Schutthaufen, auf denen die anderen Gäste saßen.

Ich sah die nervösen Sicherheitsdienstler mit ihren Implantaten. Illegale Muskelerweiterungen mit eigener, fremdartiger Intelligenz, die in Schichten ihre ganzen Körper umgaben.

Künstlich aufgeblasene Witzfiguren für jeden Souvagner.
Sie achteten darauf, dass niemand durchdrehte. Wenn die nur wüssten…

Ich sah die Bettler die sich etwas aus der Grube gewagt hatten mit ihren blutunterlaufenen Hafari-Augen, die es kaum erwarten konnten, sich den letzten Schluck aus dem herrenlosen Becher zu holen, den irgendjemand hatte stehen lassen.

Ich sah alles und prägte es mir genau ein. Innerhalb eines Sekundenbruchteils hatte ich die ganze Szenerie erfasst. Dreizehn Tische, ungefähr dreihundert Personen, die sich in der Kaschemme gezwängt hatten, ein schmaler, alles andere als gut erreichbarer Ausgang, den die Sicherheitsmutanten ständig im Blick hatten.

Wahrscheinlich gab es auch irgendwo noch einen verborgenen Notausgang für die Eigentümer. Was ihre Fähigkeiten anging, waren die vom Sicherheitsdienst auch nicht viel besser als die Gäste hier.

Im Kampf Mann gegen Mann hätte ich nicht die geringsten Probleme mit denen, aber bei einer solchen Menschenmenge und so schmalen Türen würden sie mir genug Ärger machen Dank meiner Statur.

Kein Bewegungsspielraum.

Deswegen lebe ich vermutlich auch noch. Die meisten Leute eröffneten immer gleich das Feuer. Manche dieser Fremdlinge schienen wirklich nur aus Muskeln und Munition zu bestehen.

Geduld hatten sie nicht und kannten sie nicht.
Alleine ihre Reflexe sicherten ihr Überleben, und oft genug rissen diese Reflexe diese Leute auch in den Tod.

Vor allem all jene die es etwas aus der Grube schaffen und die sich die Reflexe mit Genspleiß-Material vom Schwarzmarkt aufgepolstert hatten.

Ich hingegen war ich sowas wie ein Schiff aus Souvagne mit Premium Sonderausstattung, dass freiwillig auf dem Schrottplatz parkte.
Und ich war müde.

Ich glitt eine Winzigkeit nach links, wirklich nur ein Stückchen, griff nach meinem Becher und schüttete den Kerl meinen Schnaps in die Augen. Als ich den überraschten Aufschrei hörte, wusste ich, dass ich mein Ziel getroffen hatte. Ich wirbelte nach links, und das Messer zuckte vor, genau an die Stelle, an der ich eben noch gesessen hatte.

Sofort griff ich nach dem Handgelenk des Kerls und umklammerte es mit stählernem Griff. Dann stand ich auf, drehte ihm in gleitender Bewegung den Arm auf den Rücken und hörte irgendetwas in seiner Schulter laut knacken. Diese Bewegung ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.

Ich riss seinen Arm ein Stückchen höher um den Schmerz zu verstärken und sein Messer fiel klappernd zu Boden. Seinen Größenvorteil sollte man auch ausnutzen. Ich trat das Messer weg und sofort war die Waffe verschwunden. Wahrscheinlich hatte sie einer der kleinen Kriminellen aufgehoben, sollte er nur – sein Glückstag.

Die Kleidung meines ungebetenen Verehrers wirkte kostspielig – also war er entweder selber reich, arbeitete für jemanden der über Geld verfügte, war ein Mittelsmann oder war ein Kollege vom SSD – dem System-Sicherheits-Dienst.

Nur Kollegen haben es nicht nötig, irgendjemanden anzuheuern. Unstimmigkeiten regeln SouvSecs meist unter sich.

Wir tauchen irgendwo mit einigen Kumpel auf, schnappten uns den „Feind aus der eigenen Reihe“ und zerren ihn dann in eine dunkle Gasse, dort bekommt er ein Loch in den Hinterkopf geblasen.

Natürlich nachdem wir seine Taschen geleert haben.

Jetzt konnte ich die Hebelwirkung ausnutzen und sorgte so dafür, dass der Kerl mit dem Gesicht voran hart auf die Tischplatte knallte. Keiner der Gäste in meiner Nähe rührte sich auch nur – brave Bürger.

Ich beugte mich zu dem Kerl hinab, sorgte dafür, dass er sich nicht mehr regen konnte. Erst jetzt kamen die Leute vom Sicherheitsdienst auf mich zu – ein bisschen arg langsam.

Idioten!

Wirklich ich hätte den Mistbock sechsmal hintereinander kalt machen können, bevor die mich auch nur erreicht hätten. Den Blick fest auf die Leute vom Sicherheitsdienst gerichtet, legte ich die Lippen nah an das Ohr meines Besuchers.

„Du schuldest mir fünfzehntausend Taler Du Faklach“, flüstere ich ihm zu und presste ihn brutal auf den Tisch. Er hatte ernstlich Schwierigkeiten zu atmen, schließlich lag ich mit fast meinem ganzen Gewicht auf ihm, und sein Arm war vermutlich gebrochen.

„Ihr habt Scheiße gebaut“, keuchte er.
Ich verdrehte ihm den Arm ein Stückchen weiter, und schließlich stieß der Kerl doch noch einen Laut aus und zwar einen erstickten Schrei der in herrliches Stöhnen überging.

„Wie bitte?“, fragte ich zuckersüß.

Ich war mir sicher, den Burschen im Griff zu haben, also blickte ich erneut auf.
Die Leute vom Sicherheitsdienst waren immer noch einige Tische weit entfernt, und sich schlenderten eher auf uns zu, als dass sie sich wirklich beeilten. Sie waren es gewohnt, dass irgendwelche betrunkenen Mistböcke Ärger machten. Zweifellos hatte ich sie überschätzt, sie waren noch weniger als Dreck wert. Ich machte mir keine Gedanken mehr um sie.

„Mein Auftraggeber…“, stotterte der Kerl, „wird nicht sehr glücklich sein“.

Meine Stimmung schlug schlagartig um und ich war nahe daran auszurasten, so nah, dass ich für Sekunden wirklich Rot sah. Schlagartig wusste ich, für wen diese Ratte aufgekreuzt war.

Dieses Arschloch schuldete mir fünfzehntausend Taler für sein madiges Leben, der Kerl hatte versucht, mir ein Messer in den Rücken zu rammen, und jetzt beklagte er sich auch noch bei mir? Ich umklammerte sein Handgelenk noch fester und drückte mit aller Gewalt zu.

Belohnung für meine Mühe, ein Krachen als ich die Knochen zermalmte und ein ohrenbetäubender Aufschrei des Typen. Er stank förmlich nach Angst, na bitte geht doch. Immer schön Respekt haben, ich mag es nicht leiden wenn man mich respektlos behandelt.

„Pass mal auf Du Stück Scheiße, Dein Auftraggeber hat meinen Boss angelogen. Wenn die Infos nicht stimmen, töten wir nicht. Oder Ihr Wixxer seid einfach nur unfähig. Die Zielperson war nicht allein. Von professionellem Schutz habt ihr uns nichts erzählt – dort waren SSD vor Ort. Glaubst Du wir greifen Kollegen an?“, fragte ich und drehte seinen Arm um 180 Grad aus dem Schultergelenk, der Typ kotzte auf den Tisch und wimmerte.

„Aber zu allem Überfluss, was war dort? Ein Kind! Da war ein Kind im Zimmer Du mieses, kleines Arschloch“, giftete ich.

Wieder blickte ich auf. Die Leute vom Sicherheitsdienst hatten sich aufgeteilt und kamen jetzt von beiden Seiten auf mich zu, um mich einzukreisen.

Erstaunlicherweise begann der Kerl zu zittern, doch dann begriff ich, dass er lachte! Das war keine normale Reaktion, das war der einsetzende Schockzustand. Mein Blick wanderte erneut über die Gesichter der Leute am Tisch… schwarze, gelbe, weiße Menschen, Inhumanoid jeder Art und sie alle hatten schlagartig nur Interesse für ihren Schnaps, keiner interessierte sich für unser Schauspiel hier - feine Gegend. Fast so schön wie Zuhause.

Plötzlich hatte der Kerl seine Stimme wiedergefunden, auch wenn sich verwaschen klang – ganz offensichtlich stand er kurz davor, dass Bewusstsein zu verlieren.

„Ein Kind?“, keuchte er.
"Ja ein kleiner Mensch, noch nicht ausgewachsen, wir nennen sie Kinder", antwortete ich.

„Wen interessiert denn schon ein Kind? Man hat Sie angeheuert, jemanden aus dem Weg zu räumen, also machen Sie das auch! Ein Kind? Scheiß drauf, dann bringen Sie das Balg eben gleich mit um! Wir hätten Sie schon bezahlt – keine Panik!“, keuchte er weiter.

Ich zitterte am ganzen Körper, so sehr reizte es mich, noch viel gewalttätiger zu werden. Ihn zu Tode zu foltern, ihm dermaßen Schmerzen zu bereiten, von denen er nicht einmal im Entferntesten wusste, dass er sie empfinden konnte.

Aber aus dem Augenwinkel sah ich, dass die Sicherheitsdienstler mich schon fast erreicht hatten und jetzt um den Tisch herumtraten – sie kamen von links und rechts gleichzeitig auf mich zu.

Zischend atmete ich aus, ließ den Kerl los und griff mit einer geübten Bewegung in die Innentaschen meines Mantels, hatte plötzlich in jeder Hand eine Wumme und richtete sie auf jeweils einen dieser muskelbepackten Sicherheitsmutanten.

Die Leute vom Sicherheitsdienst blieben stehen und blickten einander an. Niemand schien auf uns zu achten. Der Kerl war mittlerweile wirklich ohnmächtig geworden.

„Sowas ist uns scheißegal“, sagte einer der Sicherheitsbeamten mit unverkennbaren Nuscheln von einer Person, dem man bereits zu oft die Zähne eingeschlagen hatte.
„Aber mach’s draußen“, fügte er an.

Ich nickte.
Ich bin ja schließlich zivilisiert.

Ich bringe keine Kinder um, und ich erschieße auch keine Leute, deren einziges Verbrechen darin besteht ihren Job zu machen. Es sei denn, sie greifen mich an, dann lässt es sich nicht vermeiden.

„Ich gehe schon“, sagte ich freundlich.

Selbst Fremdlinge respektieren einen, wenn man sich an die Regeln hält. Einer der Typen wies auf die Tür, um mir nochmal zu anzudeuten, mich irgendwo anders um meinen Kram zu kümmern. Ich hatte zu viel schlechten Schnaps getrunken, der mir langsam die Magenwände zerfraß, und war eingesaut und ungewaschen.

Erst vor wenigen Stunden hatte wir jemanden umgelegt – die falsche Person.
Um die Zielperson, auf die wir eigentlich angesetzt worden waren und auch das kleine Kind, die würden wahrscheinlich morgen um diese Zeit schon beide tot sein, denn der Auftrag ging sicher bereits an einen anderen, der nicht so viel Skrupel hatte auf ein Kind zu schießen.
Ich trat einen Schritt zurück, ganz langsam, winkelte die Arme an und hielt die Waffen dennoch einsatzbereit – nur für den Notfall. Als hätte die Bewegung irgendetwas ausgelöst, war plötzlich ein ohrenbetäubendes Brausen zu hören und ich erstarrte.

„SCHWEBER-VERDRÄNGUNG!“, schrie jemand.
„Die SouvSec“, setzte jemand anderes hilfreich hinzu und plötzlich brach in dem ganzen Laden das Chaos aus.

`TAXI´, hätte ich am liebsten aus Spaß geschrien, aber ich durfte ja gar nicht hier sein und sollte man mich hier erwischen… oh oh.

Alles sprang auf und stürmte auf den Ausgang zu – besoffene Idioten!

Mich vergaß man dabei komplett. So stand ich da, die Waffen gezogen und alle drängten sich einfach an mir vorbei. Lustig. Ich schaute mir das Klopperei-Schauspiel einen Moment an, das sich in der Tür bot, als die Souvagner die Suchscheinwerfer einschalteten und gleißendes, weißes Licht den ganzen Raum erfüllte.

Ich kämpfte gegen den Strom der Menschenmassen an und rollte mich unter einen der Tische.

Normalerweise passiert so ein Scheiß einfach nicht, diese illegalen Bars sind einfach normal.

Den BD-Brechern, den Bezirksdienstlern sind sie sogar ganz Recht, so können sie mit Bakschesch ihr mieses Gehalt aufbessern. Unter Kollegen spricht wirklich nichts dagegen, denn das sind „opferlose Straftaten“, niemand kommt zu schaden, nur etwas die Staatskasse eines fremden Landes. Aber wehe ein Souvagner geht hier einen heben, dann rückt unsere Staatsgewalt an um das verlorene Schäfchen vor dem Vergiftungstod zu bewahren.

Wenn ein Schweber auftauchte, dann bedeutete das richtige Einsatztruppe, eben jene rettenden Souvagner, also meine Kollegen.

Das war schon eine ganz andere Kategorie, und dass hieß, dass sich in dem betreffenden Laden irgendjemand befand, den sie unbedingt in ihre Finger bekommen wollten.

Die Brecher in ihren lässigen Uniformen kannten die Verbrecher schon namentlich. Sie geben den einen oder anderen Faklach mal eins auf die Nuss, aber an sich sind sie zu dem Pack noch ganz in Ordnung.

Sie machen eben einfach ihren Job in einer miesen Umgebung. Sie halten als erste Riege das Drecksvolk davon ab, den Bürgern an den Kragen zu gehen.

Im Moment hockte ich unter dem Tisch und wollte so gar keinen Kollegen sehen, weil die Konsequenz Zuhause für Versagen und Ungehorsam sehr unangenehm war.

Dann noch das Saufen, das würde einen Abriss geben… ich dachte besser nicht drüber nach. Ich schob die Waffen zurück in die Holster und zog meine Glücks-45er. Wie immer küsste ich sie kurz.

Hergestellt ist sie von Neorideur, Modell 3022 – natürlich illegal, weil vollautomatisch und unregistriert und ohne DNS-Scan-Sicherung – böser Mitch trägt eine Projektil-Waffe die nicht registriert und gesichert ist.

Sie war teuer, ich hab fast meine ganze Kohle die ich mit Sonderaufträgen erarbeitet habe in sie gesteckt, aber dafür funktioniert sie absolut butterweich.

Wie erwartet war der Ausgang dieser Absteige durch das ganze Gewühl an Arschlöchern versperrt, die bei dem Versuch ins Freie zu kommen sich gegenseitig tottrampelten.

Im gleißenden Scheinwerferlicht des Schwebers waren sie klar und deutlich zu erkennen, eine verzweifelte „Menschenmasse“. Ich ließ ein Projektil in die Kammer einrasten und fuhr mir mit trockener Zunge über die Lippen, mein Magen fühlte sich an als stand er in Flammen und mein Schädel schmerzte.

Gar nicht gut…

„ACHTUNG!“, dröhnte eine metallische Stimme aus den Lautsprechern des Schwebers.

„Hier sprich Officer Philippe Gederot von der SouvSec. Bleiben Sie stehen und unterziehen Sie sich den vorgeschriebenen Scan- und Identifizierungsmaßnahmen. Bei Zuwiderhandlung machen wir sofort von der Schusswaffe Gebrauch!“, brüllte er.

`Danke für die Info Gederot´, dachte ich und rieb mir den Bauch.

Die Ansage war natürlich wie immer nur provisorischer Schwachsinn. Der SouvSec ist es scheißegal, ob man sich dem Scan unterzieht oder nicht. Eigentlich ist es denen sogar lieber, wenn die Faklach es nicht tun. Wir machen mit Faklach Schießübungen. Das lernt jeder Greeny bei uns.

Wie auf ein Stichwort sprang nun ein halbes Dutzend Tuteurs vom Schweber ab, laut war das Krachen ihrer Stiefel auf dem Asphalt zu hören.

Sie trugen dieselben schwarzen, wabengemusterten Schutzanzüge wie unsere Einheit. Sie wurden von elektronischen Mustern umwirbelt, die einem Kopfschmerzen bereiten, wenn man sie ansah – dass SouvSec-Tarnsystem. Das Tarnsystem, dass sie fast unsichtbar machte, wenn die Truppen sich nicht bewegten.

Meine Einsatz-Klamotten waren aus demselben Zeug, genau wie die meiner Mitstreiter.

Aus meinem behelfsmäßigen Versteck heraus blickte ich mich um und stutze, ich blickte in das maskenartige Gesicht eines Cyborg, er starrte zurück. Ich blinzelte, drehte mich um und kroch ganz altmodisch auf Händen und Knien vom Ausgang dieser Spelunke fort, der gegenüberliegenden Wand entgegen. Hinter mir flogen die ersten Salven.

Ich kroch einfach weiter. Bislang hatte ich persönlich 268 Menschen als OpsSpec unter Rivkins Führung in Team 9 umgebracht.
Ich würde mich ganz bestimmt nicht bei irgendeinem unwichtigen Einsatz aufgreifen lassen. Als ich die Wand schließlich erreicht hatte, verschwendete ich keine Zeit, ich sprang auf, kletterte auf den Tisch, der mir schon vorhin aufgefallen war und sprang über die geborstene Mauer hinweg.

Auf der anderen Seite kam ich auf, aber da ich zu viel getankt hatte, schlug ich hart auf den Asphalt auf und knallte mit der Rübe aufs Pflaster – Merde!

Im Schutz des nasskalten Schattens beschloss ich einen Augenblick liegenzubleiben und meinen dröhnenden Schädel zu reiben.

Über mir sah ich das Heck des SouvSec-Schwebers. Wie gerne wäre ich einfach hingelaufen und hätte „Kollegen“ gebrüllt. Aber es ging nicht, ich hätte beantworten müssen, was ich alleine hier zu suchen hatte.

Natürlich kann ich sagen, dass ich keinerlei Auskunft gebe, aber spätestens vor Rivkin musste ich raporten. Und er würden dann wissen wo ich mich rumgetrieben hatte.

Seine Begeisterung konnte ich mir bildlich vorstellen.

Ich starrte noch einen Moment auf den Schweber. Es sind wirklich schöne Fahrzeuge, ich mag sie sehr gerne. Sie fliegen sich auch unheimlich gut. Durch das Verdrängungsfeld war er leider im Moment nur schemenhaft zu erkennen, die Lichtkegel seiner Scheinwerfer zerrissen die Dunkelheit, die Halteseile der Eingreiftruppe wiesen wie Tentakel in alle Richtungen.

Panik durchzuckte mich schlagartig, als ich feststellte dass ich rumlag und tagträumte. Ich zwang mich dazu, wieder aufzustehen und kroch in den dunkelsten Schatten, den ich finden konnte, es waren nur wenige Schritte, doch ein schmerzhaftes Stechen in meinem Rücken machte jede Bewegung beschwerlich.

Sämtliche Gebäude in diesem Viertel vor der Grube sind im Grunde nur noch Ruinen, hier gibt es nichts als Schatten und scharfe Kanten.

In meinem Versteck kam ich wieder zu Atem und dachte nach.

Mehr und mehr Schüsse wurden abgefeuert und ich schaute zu wie weitere Eingreiftruppen sich auf den Boden herabließen, als eine entschlossene Schar Abschaum aus der Bar heraus stürmte und hinter weiteren Ruinen Deckung suchte.

Ich musste das Gefühl niederkämpfen den Kollegen Feuerschutz zu geben. Es gab immer ein paar hartgesottene Faklach, die meinen sich aus jeder Situation einen Weg freischießen zu können.

Meistens sind es noch echte Kinder. Jene aus dem Grubenrand die sich selbst dort nicht halten können und es hier versuchen. Sie haben nichts im Leben gelernt, wie auch, außer wie man ein Messer schwingt und die etwas Klügeren unter ihnen wie man einen Abzug betätigt.

Sie glauben sie sind erwachsen, weil sie einmal einem Brecher auf Streife entkommen sind und nicht zurück in die Grube geschmissen wurden.

Aber so einfach bekommt niemand Erfahrung mit Souvagnern die sich außerhalb der Heimat herumtreiben müssen.

Wir reden hier von unangenehmen Faklach-Erfahrungen. Ich gestehe Dir das Wort Erfahrung in Bezug auf Eingreiftruppen als Ausgestoßener nur zu, wenn Du von einem Rudel SouvSecs verprügelt wurdest, ohne Grund einfach zum Spaß und ihnen dann lebend entkommen bist.

Vorher brauchen wir nicht über Erfahrung sprechen.

Ich schaute mir die Straße vor der Bar an, den Teil der von dem ganzen Tumult fortführte. Auf den ersten Blick sah alles ruhig und menschenleer aus. Normalerweise schleppen sich sonst hier Gestalten umher, denen ein Bürger nicht begegnen möchte.

Aber wenn ein Schweber auftaucht, werden diese Straßen immer bewundernswert frei, und das immer gleich mehrere Häuserblocks weit. Doch auf den zweiten und dritten Blick sah ich dann das Glimmen einer Zigarette.

Zwei Kollegen standen dort, einer war mir bekannt. Sie machten sich keine Gedanken um irgendwelche schweren Jungs, sie standen einfach dort und warteten nur darauf, dass irgendjemand so dumm war und ihnen in die Arme lief, so dass sie ihn einfach abknallen oder für den Faklach noch schlimmer – ihn festnehmen konnten.

Niemand griff die SouvSec an.
Niemand.

Jeder kannte das ungeschriebene Gesetz der SouvSec, bringt man einen von uns um, hat man die ganze SouvSec am Hals.

Als ich die kaum sichtbaren Bewegungen der Kollegen hörte, wurde mir klar, dass ich noch eine ganze Weile hier ausharren musste, wenn ich bliebe.

Irgendwann hatte ich mal eine Geschichte von Pirk über Rivkin gehört. Er selber hatte mir nichts davon gesagt. Mehr als 300 bestätigte Eliminierungen gingen auf sein Konto, ohne dass er auch nur ein einziges Mal festgenommen oder erwischt worden wäre.

Wie Pirk mir einst erzählte, habe Rivkin einmal einen Technie angeheuert, um das Sicherheitssystem einer seiner Zielpersonen zu deaktivieren, und dann ist er in dessen Haus geschlüpft und hat sich in einem Schrank versteckt. Danach hatte der Technie das Sicherheitssystem wieder eingeschaltet, einschließlich sämtlicher Bewegungsmelder, so dass der Zielperson nicht das Geringste auffallen konnte, als sie nach Hause kam.

Also hat Riv stocksteif dort gestanden, 48 Stunden lang. Und als die Zielperson schließlich wieder nach Hause kam und ihr Sicherheitssystem deaktivierte, kam Rivkin einfach aus seinem Versteck schoss dem Opfer in den Schädel und spazierte hinaus als wäre nichts geschehen.

Jetzt wo ich so im Schatten verharrte wusste ich, dass ich niemals so lange hätte im Schrank warten können, bereits nach fünf Minuten tat mir schon jeder Muskel weh und ich wurde fast wahnsinnig vor Übelkeit. Und nicht nur dass, ich vermisste Rivkin und seine dreiste Art.

Ein Verrückter rannte aus der Bar und es gelang ihm sogar fast bis zu den Reihen der SouvSec vorzudringen, nunja fast. Ich dachte zuerst schon er würde es wirklich schaffen, doch als er sich einem der Tuteurs näherte, sah ich dass sich dieser binnen Sekunden bewegt hatte. Was er gemacht hatte, konnte ich nicht genau sehen, der Läufer jedoch brach plötzlich zusammen, gleichmütig ging der Kollege weiter.

Ich schüttelte den Kopf denn der Bursche lag ein Stück von mir entfernt und die Suchscheinwerfer schmerzen in meinen Augen. Ich schaute zu den schwarzen Dächern der leer stehenden Gebäude hinauf – leider waren oben Scharfschützen postiert, so konnte ich nicht über die Dächer krauchen.

`Riv ausgerechnet hier! Scheiße was machte Rivkin hier?´, schoss es mir durch den Kopf. Rivkin ist hochgewachsen, muskulös, ein gutes Stück kleiner als ich, aber das sind die meisten. Riv ist groß, schlank, schwarzhaarig, Irokesenschnitt und ein Arschloch.

Nur wenige Schritte von mir entfernt Rivkin mein Boss, ich war baff. Zwischen seinen schmalen Lippen hing eine Rauchstange, wie fast immer.

Ich starrte ihn an. Und mir passte es überhaupt nicht, ihn hier in diesem Moloch zu sehen, egal was er sonst drauf hatte.

Ich blickte zum Schweber hinüber, der dröhnend und nur unscharf erkennbar in der Luft stand, dann wanderte mein Blick zurück zu meinem Boss. Jetzt ging´s los. Reglos blieb ich stehen, bis meine Muskeln vor Anstrengung zuckten, die Kollegen durchkämmten das Gebiet mit Thermo-Scan.

Ich wollte nur abwarten, bis Rivkin nicht mehr umgeben von allzu vielen Kollegen dort stand, dann brüllte ich ihm kurz und abgehackt eine Info zu. Die zwei Kollegen in seiner Nähe zuckten zusammen, Rivkin grinste schlagartig breit und schnippte seine Zigarette weg.

„Was war das Boss?“, fragte einer der Beiden nervös.
„Schschhhh – einer meiner Leute“, sagte Rivkin und ich fühlte förmlich wie er nach mir suchte.

„Was hat er gebrüllt? Ist er uns freundlich gesonnen?“, hakte der Kollege nach, was Rivkin auflachen ließ.

Die Frage ließ er unbeantwortet, um den Kerl etwas zu ärgern.

Ich spähte in die Dunkelheit hinein, begutachtete die niedrige Mauer über die ich gerade geklettert war und kroch lautlos hinüber. Niemand eröffnet eine Illegale Kneipe ohne Fluchtweg, tastend suchte ich nach der Luke und fand sie. Mit einem Arm riss ich die Luke auf und ließ mich hinunter gleiten.

Als ich um die erste Ecke glitt, hörte ich, wie sich die Klappe erneut öffnete, aber es fehlte der Aufschlag einer Person, die in die Tiefe sprang.
Ich lehnte mich an die Mauer und wartete auf Riv. Natürlich hatte er sich nicht wie ein Mehlsack fallen lassen, sondern war gewandt wie eine Katze lautlos auf den Füßen gelandet, die Waffe fest im Griff.

Der Tunnel war nicht allzu lang. Nach nicht einmal zwanzig Metern blieb ich schließlich in einem kleinen Notraum stehen. Eine spärliche Einrichtung war vorhanden, um das Nötigste aussitzen zu können, aber auch von hier aus würde es eine Fluchtmöglichkeit geben. Ein Tisch, mehrere Stühle, eine Vorratskiste viel einem zuerst auf.

Rivkin betrat den Raum, schlenderte einmal um den Tisch herum und schaute sich alles genau an. Ich ging ihm von der anderen Seite entgegen und umarmte ihn.

„Hallo mein Kleiner“, raunte ich ihm liebevoll zu und drückte ihn innig.
„Herzchen“, raunte er zurück und lehnte sich gegen mich.

„Du solltest nicht hier sein. Du solltest eigentlich bei Deiner Einheit sein, genau genommen an meiner Seite. Dann und nur dann dürftest Du hier sein“, sagte er und wir schmiegten unsere Schädel aneinander.

Er drehte sich zu mir um und hockte sich auf den Tisch.

„Wir jagen einen Killer… Du hast nicht zufällig einen gesehen Baby?“, fragte er grinsend.
„Bis auf den der auf dem Tisch hockt?", fragte ich zurück.

"Ich hab Dich vermisst, wo warst Du?“, fragte er und boxte mich freundschaftlich.
„Hallo? Du hast mich auf Einsatz geschickt? Und da komme ich auch gleich auf Deinen Killer zurück. Ich weiß sogar wer der Killer der Kollegin ist“, erklärte ich.

Rivkin starrte mich baff an.

„Wer?“, hakte er nach.
„Ich“, sagte ich knapp.
„Du?“, fragte er entgeistert.

„Ja – ich. Ich hatte einen Auftrag, woher, weshalb, klar von Dir. Der ganze Auftrag war ein Desaster. Zuerst waren die Grundinfos falsch, dann war am Tatort ein Kind – dass sollte wohl gleich mit beseitigt werden und die Zielperson war die falsche. Also ich hab die falsche Person umgenietet, da die Angaben falsch waren. Ich wollte die Kollegin nicht erlegen. Ich wusste nicht mal dass es eine ist. Und jetzt ist sicher ein anderer unterwegs, holt die Zielperson und das Kind und ich tja…“, knurrte ich wütend.

„Du bist sauer, verständlich. Aber ich bin genauso sauer wie Du. Ich hab Dich nicht verarscht Mitch“, sagte er und klopfte neben sich auf den Tisch.

Ich hockte mich neben ihn und schaute zu ihm rüber.

„Ich weiß. Vorschlag?“, fragte ich.
„Weißt Du ob ein Kollege geschickt wird? Wenn nein, gib mir die Daten – ich rücke sofort im Alleingang ab und hau das Kind da raus. Das Kind muss nicht sterben, wenn der Kerl und die Auftraggeber heute noch erledigt werden, ist die Sache gegessen“, sagte er und schaute mich beschwörend an.

„Rette es“, sagte ich und genau das tat er, wie immer auf seine besondere Art und Weise. Was nichts Geringeres bedeutete als 19 neue Kerben auf seiner Klinge.


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Mitch
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Re: Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

#5

Beitrag von Mitch » Mo 1. Apr 2019, 19:50

Frühdienst


Ich fiel um halb fünf aus dem Bett, torkelte ins Badezimmer und stellte mich so lange unter die Dusche, bis ich die Augen aufbekam. Daisy steckte ihren gewaltigen Kopf in die Duschkabine und schaute was ich da so trieb.

Die Große hasste Wasser und wartete lieber in trockener Sicherheit ab.

Gut so, denn das wäre etwas eng geworden. Nach kurzer Zeit fing meine Haut an zu schrumpeln, und ich hatte das Gefühl, dass es reichte. Ich trocknete mich ab und schüttelte den Kopf hin und her – meine Art mich zu frisieren, wenn ich faul bin.

Daisy sprang im Bad umher, stupste mich zig mal mit ihrer riesigen Schnauze an und zerrte mich dann ins Wohnzimmer. Rein vorsorglich, vermutlich. Wie jeden Morgen war sie froh, dass ich die Wasserfluten überlebt hatte. Für sie mussten duschende Souvagner dämlich wie Brot sein.

Wer begibt sich auch freiwillig ins Wasser?
Daisy jedenfalls nicht.

Ich zog meine Einsatz-Gear an, rüstete Daisy und steckte meine Wummen ein. Als ich die Tür zum Hangar öffnete, sah ich, dass Rivkin bereits wartete. Er fuhr ein schwarzes Aircar mit getönten Seitenfenstern. Auf der Rückbank saßen unsere drei Kollegen Arsan, Pirk und Samir.

Alle drei hatten genau wie wir beide extrem kurze Haare, sie trugen die Kampfanzüge der Spezial Einheiten der SouvSec und schwarze Shirts. Alle drei waren so Kanten wie wir. Keiner hatte ein Gramm Fett zu viel am Leib.

Ich schnallte mich auf dem Beifahrersitz neben Rivkin an, während Daisy sich hinten mit auf die Bank quetschte. Wir fuhren schweigend durch die Innenstadt. Rivkin war sonst wo mit seinen Gedanken, die Kollegen auf der Rückbank sagten auch kein Wort und ich hatte Null Bock.

Am liebsten wäre ich bei der nächsten Ampel aus dem Wagen gesprungen und zurück nach Hause gelaufen um mich auszupennen. Ich hoffte ich würde nicht mitten im Einsatz einschlafen.

„Wo fahren wir hin?“, fragte ich Riv nach einer Weile.
„Zum Isselin-Row. Heute ist Hausputz angesagt“, erklärte er leise und tippte mich zärtlich mit einem Finger an.

Die Isselin ist zwei Straßen weiter zum Hungergürtel. Im Grunde verläuft dieser Row parallel zu ihr. Sie ist neben dem Hungergürtel und der Grube die schlimmste Ecke Obenzas, den Taudis mal nicht mitgerechnet.
Es gibt dort nichts weiter als Verzweiflung, Drogen und Leid. Je weiter man südlich fährt, je solider und wohnlicher wird die Gegend. Irgendwo dort in der Mitte ist eine imaginäre Linie.

Jene Linie die Gesetzestreuen von den Gesetzlosen trennt. Für die Einheimischen ist es ein beständiger Kampf, diese Linie zu halten. Aber seit einiger Zeit war die Isselin dabei, den Kampf zu verlieren.

Rivkin fuhr auf die Isselin und hielt an. Er deutete mit einem Kopfnicken auf ein Backsteingebäude gegenüber.

„Da wären wir. Es ist im zweiten Stock“, wies er uns an.

Das Gebäude war dreistöckig und vermutlich befanden sich auf jeder Etage zwei, drei kleine Wohnungen. Im Erdgeschoss war die Fassade mit Graffiti besprüht. Ich versuchte es zu lesen, aber es war in einem unbekannten Slang geschrieben. Die Fenster waren dunkel. Auf der Straße herrschte kein Verkehr. Vom Wind zusammengefegter Müll war im Rinnstein hängen geblieben oder hatte sich in Hauseingängen gesammelt. Ich wandte meinen Blick von dem Haus ab und sah Rivkin an.

„Na dann las mal hören“, bat ich ihn.
„Der Vermieter hat uns mit dem Hausputz beauftragt“, antwortete Riv und lud seine Waffen durch.

„Betrifft dieser Hausputz auch Sachen oder nur die Bewohner?“, hakte ich nach.
"Es betrifft nur die Bewohner Mitch. Das ist alles Dreckspack", erklärte Rivkin und knuffte mich aufmunternd.

`Was ist los Herzchen? Müde?´, fragte er mich im Privatflow per Interkom.
`Müde ist kein Ausdruck´, antwortete ich auf gleichem Weg und verkniff mir ein Gähnen.

„Boss muss man sich nicht an das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren halten? Wenn man Personen und ihren Besitz aus einer Wohnung räumen will, ist das so. Meine ich jedenfalls“, sagte Arsan von der Hinterbank aus.

„Seit wann machst Du Dir darum Gedanken?“, hakte ich grinsend nach.
„Echt, kann uns doch scheißegal sein“, stimmte mir Pirk zu und grinste dabei genauso dämlich.

„Arsan, die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam. Team 9 ist dafür bekannt schnell zu agieren. Dieses Pack wird die Leute in der Umgebung belästigen und sich ihren Schuss in der Bude da oben setzen, während die Justiz noch überlegt wie zu verfahren ist. Ein guter Bürger Obenzas fand das zu lahm und bat mich. Ich denke die Nachbarschaft hat ein Recht auf Schutz“, sagte Riv.
„Genau. Sieh es doch mal so, wir leisten Nachbarschaftshilfe“, prustete Samir und wir anderen nickten zustimmend.

Rivkin glitt vom Fahrersitz und wir anderen folgten ihm wie schwarze Schatten.

Wir betraten das Gebäude und stiegen zwei Treppen hoch. Rivkin ging zur Wohnung 3 c und lauschte an der Tür. Wir vier drückten uns mit dem Rücken links und rechts an die Wand. Keiner sagte ein Wort. Ich machte mich darauf gefasst, das Riv jeden Moment die Tür eintrat und feuern würde.

Stattdessen holte er einen Schlüssel aus der Tasche und steckte ihn ins Schloss. Die Tür öffnete sich, wurde aber durch eine Türkette blockiert. Riv trat zwei Schritte zurück und warf sich gegen das Türblatt, wobei er es mit der Schulter in Höhe der Vorlegekette traf. Die Tür sprang auf und Rivkin ging als Erster hinein. Als guter Leader geht man als erster rein und als letzter raus, so seine Order.

`Arsan, Pirk, Sam an meine Seite. Mitch Du mit Daisy Rückwegsicherung, los!´, befahl er uns via Interkom.

Die Taschenlampen der Kollegen blitzen auf und Rivkin brüllte

„Dies ist eine Razzia!“.

Chaos brach aus. Halb nackte Menschen krochen von ihren Matratzen auf dem Boden, Frauen kreischten, Männer fluchten, Kinder heulten. Unser Team durchkämmte alle Räume, legte Leuten Handschellen an und befahl ihnen, sich nebeneinander an die Wohnzimmerwand zu stellen. Sechs Personen insgesamt. Einer der Männer drehte durch, fuchtelte mit den Armen um nicht gefesselt zu werden.

„Das könnt Ihr nicht machen, Ihr Scheißkerle“, schrie er.
„Die Wohnung gehört mir. Das ist Privateigentum. Hol doch mal endlich einer die Büttel!“, kreischte er, was die Kollegen loslachen ließ.

Der Irre zog ein Messer aus der Hosentasche und ließ es aufschnappen. Rivkin packte den Kerl hinten am Shirt-Kragen, hob ihn hoch und warf ihn aus dem Fenster.

Plötzlich herrschte Stille und alle starrten sprachlos auf die zerbrochene Glasscheibe. Alle bis auf unser Team natürlich.

„Wir müssen die Fensterscheibe ersetzen“, sagte Pirk bloß.

Ich vernahm ein Stöhnen und Kratzgeräusche. Ich ging zum Fenster und sah hinaus. Der Mann mit dem Messer lag alle viere von sich gestreckt auf dem Absatz der Feuerleiter und versuchte vergeblich sich aufzurichten. Gebrochenes Rückgrat vermutete ich.

`Riv, der Kerl lebt noch´, teilte ich ihm mit.
`Hm?´, fragte er nur Retour.

`Der Drecksack liegt auf der Feuerleiter, der hat nicht den Asphalt geküsst. Scheint sich aber einiges gebrochen zu haben´, erklärte ich weiter.

`Leg ihn um Herzchen´, grinste Riv und ich gehorchte.

Es war eine kleine Wohnung. Kleines Schlafzimmer, kleines Badezimmer, kleine Küche und kleines Wohnzimmer. Auf der Arbeitsplatte der Küche türmten sich Verpackungen von Schnellgerichten, leere Blechdosen, Teller mit verkrusteten Essensresten und billige, verbeulte Töpfe.

Das Furnier war übersät mit Brandlöchern von Zigaretten und Drogen-Kochern, und im Spülbecken gammelten Spritzen, angebissene Brote und schmutzige Handtücher.

Das andere war nicht zu identifizieren.

Im Wohnzimmer an der Wand lagen zwei fleckige, zerrissene Matratzen auf dem nackten Boden. Keine Lampen, keine Tische, keine Stühle, kein Anzeichen, dass zivilisierte Menschen diesen Raum bewohnten. Nur Dreck und Abfall.

Der gleiche Müll, der draußen den Rinnstein füllte, fand sich auch hier wieder. In der Luft hing der abgestandene Geruch von Urin und Schlimmeren, von ungewaschenen Menschen und noch ekligeren Dingen.

Samir und Pirk schubsten die ungepflegten Gestalten vor sich her nach draußen in den Hausflur. Weiter die Treppe hinunter und dann in den Hinterhof. Arsan blieb neben mir stehen, das Küken unserer Abteilung, wobei ich nur ein Jahr älter war als er.

`Mitch was hält die Burschen eigentlich davon ab zurückzukommen?´, fragte er mich per Interkom und nickte den Gefangenen hinterher.

Ich schaute ihn an und hob fragend eine Augenbraue. Kurze Zeit später hörten wir sechs Schüsse.

`Das´, sagte ich.


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Mitch
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Re: Operations Speciales Equipe9/OpsSpecE9

#6

Beitrag von Mitch » Mo 1. Apr 2019, 20:34

Sicherung der alten Fabrik


„Wenn ich heutzutage darüber nachdenke, fällt mir immer Joon ein. Er hatte gar nicht so falsch damit gelegen mit seiner Meinung über die Companys und ihrer Unikultur. Jede menschliche Zivilisation entwickelt sich in eine stereotype Fotokopie von Naridien. Mit Ausnahme von Souvagne. Souvagne stand schon immer für unbeugsame Unabhängigkeit“, grübelte Rivkin neben mir laut.
„Aha. Wer ist Joon und was hat er darüber gesagt?“, hakte ich nach.

„Joon war ein Kumpel. Er sagte, was ich gerade sagte. Eben dass sich jede menschliche Zivilisation an einem bestimmten Muster orientiert, Ausnahme Souvagne. Ansonsten nimmt jede menschliche Welt die gleichen Züge an. Es werden Städte gebaut, den die ganze Flächen überwuchern, bis nichts anderes mehr übrig ist als eine gewaltige Stadt.

Und haben die Menschen das erreicht, ist noch lange nicht Schluss mit der Expansion. Wenn es kein Land mehr zu besiedeln gibt, siedeln sie in die Höhe. Tausende von Meter, wenn es sein muss. Oberstadt, Mittelstadt und Unterstadt.

Wo ist in Obenza noch ein Flecken Natur?

Ich meine jetzt nicht die künstlich angelegten Parks. Und jede menschliche Kolonie hat Militär. Egal auch wenn es nur drei Leute sind, einer ist „Militär“ oder hat jedenfalls so eine Aufgabe.

Souvagne hat seine gesamte Industrie angepasst. Die einzige Zivilisation, die ihren Lebensraum sauber hält und trotzdem über ein eines der mächtigsten Militärs Asamuras verfügt, über die besten Schiffe, die beste Technik und die neuste Forschung verfügt und völlig anders lebt, als andere Menschen. Warum ist das so?“, fragte mich Rivkin.
"Frag jemanden der sich damit auskennt“, antwortete ich ihm grinsend.

„Ich bin Souvagner und ich weiß es“, prustete Samir.

„Dann erleuchte uns alle mit Deiner Weisheit“, prustete Pirk.
„Na super, wenn Du ihn so aufforderst, wird er es auch tun“, stöhnte Arsan.

„Selbstverständlich. Es gibt eine bestimmte Lebensweise, an die sich sämtliche Rassen halten. Menschen sind Primaten. Sie leben in riesigen Rudeln, bilden Hierarchien, knüpften Freundschaften, verbünden sich in Seilschaften aus dem einfachen Grund weil man mehr gemeinsam als alleine erreicht. Einige aus der Herde schützen die Herde, meist die Männchen, andere haben andere Aufgaben. Das ist einfach eine uralte Form der Ordnung.

Geh in einen Slum und Du siehst wie schnell aus einem normalen Menschen eine Bestie werden kann, wenn jede Regierung fehlt. Wenn jede Reglementierung weg bricht, siehst Du ihr wahres Gesicht. Aber auch die Bestien leben genau nach dem Schema. Das siehst Du hier in Obenza am deutlichsten.

Ausnahme Einzelgänger, die haben aber auch ihre Regeln. Und eine Frage, warum musst Du immer mitten im Einsatz über so etwas nachdenken Riv? “, grinste Samir.

„Na da hab ich Zeit“, lachte Rivkin leise.
„Aha, klasse“, schüttelte ich nur den Kopf.

„Ich weiß nicht, ob ich damit einverstanden bin als Primat gewertet zu werden“, murrte Pirk.
„Dann leg Veto beim Duc ein“, sagte Arsan.

„Ja und dann? Bekomm ich eine Urkunde, wo drauf steht, ich wäre keiner?“, hakte Pirk nach, was uns losprusten ließ.
„Nö dass nicht, aber er nimmt es zur Kenntnis“, antwortete Arsan.

„Genau. Gelesen, gelacht, gelocht und ab damit in den Mülleimer. Hast Du wenigstens mal der Krone den Tag versüßt“, grinste Rivkin breit.
„Das war schon immer der Traum meiner schlaflosen Nächte! Wenn man Dich schon was fragt Arsan“, sagte Pirk und machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Du hast mich nichts gefragt, ich hab einfach meinen Senf dazu gegeben“, flötete Arsan gut gelaunt.
„Boss darf der das?“, hakte Pirk missmutig nach.

„Sicher, wir sind doch keine Primaten“, gibbelte Rivkin.

„Das heißt, wir müssen unsere Handlungen abstimmen. Könnte was dauern“, warf ich ein.
„Souvagner haben schon immer in Harmonie und Feudalismus gelebt“, sagte Arsan.

„So Schluss mit dem Spaß in den Backen. Wir haben die Einsatzzone erreicht. Ab jetzt nonverbale Kommunikation über die Interkoms. HUD einschalten, wir bleiben verbunden. Keiner verlässt ohne Aufforderung den Flow. Umsetzen“, befahl uns Riv und starrte dann auf sein Com.

Rakshanistan.

`Was ist los? Abbruch?´, hakte ich nach und hielt Daisy fest, während wir alle warteten bis Rivkin zu Ende gelesen hatte.
`Nein…´, grinste er megabreit, `ich habe meine Beförderung bekommen!´.
`Herzlichen Glückwunsch´, sagte Pirk und boxte Rivkin.

Wir anderen schlossen uns den Glückwünschen an.

`Und wechselst Du?´, hakte ich nach und musterte Riv abwartend.
`Nein Mitch. Wenn ich zusage bekommt unser Team neue Aufgabengebiete. So läuft das ab, ich verlasse unser Team nicht´, antwortete er und strich mir beim Vorbeigehen über den Rücken.
`Abrücken, weiter geht’s´, befahl er und gab die Führung.

Ich rechnete ständig damit, dass Rivkin uns den Befehl zum Halten gab. Wir marschierten nun seit mehr als eineinhalb Stunden mit gleichem Tempo. Jede Bewegung schien irgendwie gebremst zu werden, es musste an der trägen Luft liegen, die von allen Seiten gegen uns drängte. Noch so ein verdammtes Problem.

Der Dunst von der starken Sonnenstrahlung war ein weiterer Nebeneffekt. Alles, was weiter entfernt war als einen Kilometer, waberte verzerrt in der vom Boden aufsteigenden Hitze. Unsere Fernsensoren waren so gut wie unbrauchbar.

Infrarot war selbstverständlich hoffnungslos. Ein Eingeborener musste nichts weiter tun, als sich im Gestrüpp zu ducken, und schon war er unsichtbar. Jeder von uns hatte sein Laserradar eingeschaltet und tastete die Seiten der Straße mit gefächertem pinkfarbenem Licht ab. Bisher hatten wir ein paar mögliche Sichtungen, doch das war auch schon alles gewesen. Nichts auf das man hätte schießen können.

Daisy hatte auch nicht angeschlagen.

Zehn Kilometer hinter der Fabrik kam die Straße aus einem weiten Tal hervor und setzte sich in hügeligem Land fort. Zur Abwechslung hatten wir einmal freie Sicht auf das vor uns liegende Gelände. Wir verließen das Tal und Daisy schlug knurrend an.

Ihr gewaltiger Kopf nickte Richtung Norden und sie scharrte wild mit den Fuß-Tatzen. Weit entfernt im Norden erkannte ich ein paar Viecher die wie Kampfghule aussahen. Sie zogen einen Bach entlang. Ihre wuchtige Bewegung war leicht zu sehen, genau wie sich die schmutzig graue Hautfarbe vom hellen Gras abhob.

`Sichtkontakt Norden. Eine Herde Rakshaner. Irgendwas scheint Daisy zu beunruhigen´, teilte ich Rivkin und der Truppe mit.
`Spiegeln´, befahl Riv.

Rivkin expandierte mein Telemetriegitter und unterlegte das Sensorbild mit seinem eigenen.

`Dort ist tatsächlich was. Eine verschwommene Stelle, die nicht von der Hitze flimmert. Ich glaube wir haben einen Schatten´, übermittelte Riv.
`Info Leute! Gerade per Scan, hinter uns sind auch zwei´, antwortete Pirk.

Rivkin aktivierte sofort die taktische Karte. Zwei Kilometer voraus und östlich von uns stand eine kleine Gruppe von Häusern, umgeben von kleinen, weit auseinander gezogenen Gehöften, nicht genug um als Dorf bezeichnet zu werden. Das Satellitenbild hatte Aktivitäten ergeben, doch das war bereits einen Tag her.

`Zieht Euch zusammen´, befahl Rivkin ernst und wir gehorchten sofort bis auf Arsan.
`Aber dann sind wir einfacheres Ziel für sie´, entgegnete Arsan über das Kommandolink.

`Das weiß ich selbst! Aber sie schleichen sich trotzdem an uns an, und das bedeutet, dass sie auf jeden Fall angreifen werden – kapiert? Wenn wir näher beieinander sind, können wir unsere Feuerkraft besser konzentrieren. Das erste und letzte Mal das Du einen Befehl hinterfragst´, stutzte Rivkin Arsan zurecht.

Daisys Rüstungs-Audiosensoren fingen eine Reihe verzerrter Rufe auf, die mitten aus dem hohen Gras zu kommen schienen. Einen Augenblick lang überlegte ich, ob ich den Ruf mit hoher Lautstärke wiederholen sollte. Unsere Interkoms waren in der Lage einige Sprachen zu übersetzen.

Ein kleiner bronzefarbener Vogel schoss auf uns zu. Silberne Flügelspitzen zeichneten helle spiralförmige Nachbilder auf die Netzhaut, wo sie vom Sonnenlicht gefangen wurden. Samir schoss mit seiner Wumme. Die Kreatur zerplatzte.

`Worauf schießt Du?´, fragte Riv.
`Nichts nur ein Vogel´, antwortete Sam.

`Behalte gefälligst Ruhe!´, gab Rivkin zurück.
`Ich vertraue hier nichts auf dieser Scheiß-Ebene. Sicher ist sicher´, grunzte Samir.

Unsere Sensoren fingen nun überall plötzliche Bewegungen auf. Grob-Nobs rannten und sprangen ein paar Meter, dann duckten sie sich wieder in Deckung. Keiner war näher als hundertfünfzig Meter. Weitere Vögel wurden aufgescheucht. Ich beobachtete wie sie umherflatterten. Ich war nicht ganz so misstrauisch wie Samir, doch auch ich hatte meine Zweifel, da Daisy sie argwöhnisch im Auge behielt.

Schnell gab ich in das Datapad, das auf Daisys Rücken geschnallt war die Vögel ein. Die Datenbank fand keine Einträge über diese Vögel. Andererseits waren die Informationen beschränkt auf ein paar Dutzend hervorstechender Spezies.

Die Vögel drängten sich in kleinen Scharen zusammen und kurvten dicht über dem Gras dahin. Je länger ich sie beobachtete, je klarer kam mir ein Gedanke. Die Viecher wurden auf unser Team zugetrieben.

`Ehm Rivkin…´, setzte ich an.
`Ich sehe es jetzt auch. Aber ich weiß nicht, wie wir alle abschießen sollen. Hat einer einen Disruptor? Ansonsten haben wir nicht genügend Munition, selbst wenn wir mit jedem Schuss treffen sollten´, übermittelte Riv.

Eines der Grids auf unserem HUD blitzte rot auf.

„Scheiße!“, brüllte Arsan.

`Was ist los verdammt!´, donnerte Riv in den Flow.
`Ich bin getroffen worden! Verdammte Merde´, übermittelte Arsan.

Ich drehte mich um und sah Arsan fünfzig Meter hinter mir. Er taumelte blind umher, dann fiel er auf die Knie. Er hielt sich einen Arm und wir rannten sofort auf ihn zu. Das Grid auf unserem HUD zeigte die merkwürdigsten Daten.

So etwas hatte ich noch nie gesehen. Irgendwas hatte die Panzerung durchdrungen, doch es war winzig, nicht größer als zwei Millimeter im Durchmesser. Wenn eine Kugel die Oberfläche durchbrochen hatte, dann hätte das darunter liegende Gewebe sie auffangen und augenblicklich stoppen müssen. Doch stattdessen begann der Muskel rings um die punktierte Stelle zu überhitzen. Die Nervenfasern drohten zu versagen. Arsan schrie wie am Spieß und seine medizinischen Daten spielten verrückt.

`RUNTER! Die Köpfe runter Leute!´, befahl Rivkin.

Ich kam bei Arsan an, als dieser vornüber auf das Gesicht fiel. Seine Arme und Beine zuckten und strampelten unkontrolliert.

`Eine Art Krampf, aber ausgelöst durch was? Scheiße ich kann ihm doch nicht einfach Krampflöser verpassen!´, sagte ich Rivkin.
`Was macht das verdammte Med-Programm denn mit ihm? Das Ding spielt verrückt!´, gab Riv zurück.

`Wir müssen das Programm stoppen. Wir müssen sein Interkom offline schalten, sein Med-Sen wird dann ebenfalls offline gehen. Unsere einzige Chance´, antwortete Pirk.
`Alles klar, ich versuch´s´, übermittelte Rivkin.

Riv eilte herbei, und ich sah ihn direkt an, als der Pfeil traf. Er krachte in den Sack mit der Granatwerfermunition, den er über den Rücken geschlungen trug, und hätte ihn fast von den Beinen gerissen. Er ließ sich auf alle viere fallen und grunzte überrascht. Ich kroch zu ihm und richtete den Sensorfokus auf das kleine Loch im Rucksack.

`Alles gut gegangen´, übermittelte ich beruhigt und drückte kurz seine Hand.
`Was bei Ainuwars Schrumpfhoden war das?´, fragte Rivkin.
`Weiß ich nicht´, gab ich zurück und wechselte auf Infrarot.

Das kleine Loch war nass. Die spektrographische Analyse ergab eine unbekannte Kohlenwasserstoffverbindung.

`Könnte eine Art BW sein´, warf Pirk ein.

Er kramte sein Med-Pack heraus und besprühte die Stelle des Rucksacks mit Multispecktrum-Neuralsationsmittel. Die Flüssigkeit zischte und brodelte giftig gelb auf. Arsan schrie erneut. Die Krämpfe rissen ihn vom Boden. Der Rest von uns umkreiste ihn, wie eine Herde Oos die ihr verwundetes Küken schützt.

Keiner wusste, was zu tun war. Seine Nanos und sein Med-Sen versuchten alles, um ihn zu stabilisieren, vergebens. Unvermittelt endeten die wilden Bewegungen. Die Notöffnungen seines Helms schnappten auf. Blut strömte hervor.

`Merde´, keuchte Rivkin und wollte seine Hand auf Arsan legen.

Im selben Moment schlug ihm Daisy in den Magen, so dass er ein ganzes Stück zurückgeschleudert wurde. Schräg stellte sie sich vor Arsan und fletschte mit geschlossenem Maul die Zähne. Dabei schüttelte sie ihren gewaltigen Kopf und deutete uns an, Abstand zu halten.

Wir wichen zurück, als könnte uns das Blut von Arsan verbrennen und selbst Daisy folgte uns mit gebührendem Abstand. Unser HUD zeigte uns nach einigen Minuten an, dass sich das Blut von Arsan irgendwie in etwas Toxisches verwandelt hatte.

`Waren das die Vögel?´, fragte ich Pirk.
`Wie denn?´, fragte er Retour.

`Na vielleicht haben sie ihn irgendwie gestochen. Wie Mücken´, dachte ich laut im Flow nach.
`Du meinst sie haben giftige Schnäbel? Oder ihr Speichel ist giftig´, warf Riv ein und tätschelte dankbar Daisy riesigen Kopf.

Ich riskierte einen raschen Blick in die Runde. Die Luft war voll von Hunderten rotierender Flügel, ein funkelnder Strom, der durch den Himmel jagte. Sie hatten einen vollständigen Ring um unser Team gebildet.

`Das hier war eine Anlage der Rüstungsindustrie. Vielleicht die Vorfahren jener, die die Kampfghule erfunden haben´, antwortete Samir.
`Vermutlich. Aber wir wissen nicht, ob die Einheimischen uns angreifen, oder irgend so ein Stamm wilder Idioten. Schluss mit der Scheiße! Karabiner raus! Kreisförmige Formation, zehn Grad Überlappung. Angriff´, befahl Rivkin stinksauer.

Wir feuerten, als wir uns auf die Beine erhoben, und jagten Kugeln in das dichte flirrende Gewirr, das uns umkreiste. Der Schwarm brach auseinander und stieg in einer wogenden Bewegung höher. Auf diese Distanz war das Zielen auf einzelne Vögel völlig unmöglich. Samir schrie auf, als ein Vogel in seinen Anzug stach. Aber er hatte Glück, dass dusselige Vieh hatte ihn auf der Keramikpanzerung erwischt. Wir warfen uns automatisch in Deckung.

`Wir sind am Ende´, kreischte Sam, während Arsan´s sterbendes Gurgeln den allgemeinen Kommunikationskanal erfüllte.

`Mitch, Brandgranaten!´, befahl Rivkin.

`Wir nutzen diese verdammten Bedingungen zu unserem Vorteil. Reichweite 250 Meter, halbkreisförmiges Muster. Du nimmst den Norden´, befahl er mir und schulterte seinen eigenen Granatwerfer.
`Verstanden´, gab ich zurück und rollte mich auf den Rücken.

Den Granatwerfer nach Norden ausgerichtet, wartete ich bis die Zielerfassungsgraphik bestätigte, dass die Entfernung stimmte. Dann begann ich zu feuern.

Das dumpfe Geräusch der Granaten war durch den Helm hindurch zu hören. Schwache Rauchspuren erschienen in der Luft und bildeten weite Bögen, die von unserem in Deckung kauerndem Trupp nach draußen verliefen. Die erste Granate detonierte. Es war, als wäre eine neue blaue Zwergsonne aufgegangen. Unterholz stand augenblicklich lichterloh in Flammen.

Wir feuerten weiter. Ich bewegte den Werfer in präzisen Bahnen. Die sonnenhellen Detonationen verschmolzen rasch zu einer Wand aus prasselndem Licht. Die Flammen leuchteten in lebendigem Blau und fraßen selbst die saftig-lebendige Vegetation. Saft zischte und verdampfte, noch bevor das Feuer heran war und die verwelkten Blätter zerplatzten im Feuer.

`Scheiße´, keuchte ich, als ich schnallte was Rivkins Befehl und meine Ausführung bewirkt hatte.

Es dauerte weniger als eine Minute, bis wir vollkommen von Flammen eingeschlossen waren. Der Kreis brannte unbarmherzig nach innen, doch meine Sensoren sahen, dass ein breiterer, gleich heller Ring aus Feuer sich nach außen fraß.

Daisy drückte sich an meine Seite und schaute mich abwartend an. Für sie musste ich noch dümmer als Brot sein. Morgens im Wasser, mittags in einem Ring aus Feuer. Aber egal für wie dämlich sie mich hielt – sie stand wie ein Felsen neben mir und wich keinen Millimeter von meiner Seite.

`Schieß die restlichen Granaten auch noch ab!´, befahl Rivkin, `ich habe keine Lust die Hitzegarantie des Herstellers dieser Munition auf die Probe zu stellen´.
`Wird gemacht´, bestätigte ich.

Schlimmer konnte es kaum noch werden.

Ich verfeuerte zuerst sämtliche Brandgranaten, dann die Splittergranaten in willkürlicher Streuung. Als ich fertig war, nahm ich den Munitionssack von der Schulter und schleuderte ihn zusammen mit dem nutzlos gewordenen Granatwerfer in Richtung des heran nahenden Infernos.

Die Vögel hatten sich alle in Sicherheit gebracht und kreisten hoch oben über den wütenden Flammen. Arsan lag tot auf dem Boden. Blut floss als rot-gelber zähflüssiger Schleim aus den offenem Notventil seines Helms und versickerte als Pfütze bereits im Boden.

`Jetzt wollen wir doch mal sehen´, grollte Rivkin.

`Und wie sollen wir aus dieser Scheiße entkommen?´, fragte Sam nach.
`Eben! Es gibt keinen Weg durch die Flammen!´, stimmte mir Pirk zu.

`Genauso war es gedacht. Ihr müsst jetzt auf Eure Gear vertrauen! Dieses Feuer brennt so schnell, dass es in ein paar Sekunden an uns vorbei ist´, antwortete er ruhig.

`Heilige Scheiße Riv´, fauchte ich ihn an und legte mich über Daisy um sie vor Verbrennungen zu schützen.
`Bleib einfach wo Du bist´, gab Rivkin zurück und legte sich ebenfalls direkt neben mir auf Daisy ab.

Korvann taxierte mich mit gierigem Blick von oben bis unten durch sein Helmvisier und legte mir einen Arm um die Hüfte. Ich hätte beinahe laut aufgelacht. Typisch Riv.

Die Zeit für Einsprüche war längst vorbei. Jetzt blieb uns nichts anderes übrig, als es durch zu stehen. Die Audiosensoren meines Helms übertrügen das wütende Brüllen der Flammen. Es wurde stetig lauter. Sie kamen mit unglaublicher Geschwindigkeit näher, während sie das Gras fraßen und Riv mir den Hintern streichelte.

Unser Briefing hatte eindringliche Warnungen über Feuer in Trockenhabitaten wie Wüsten enthalten, doch so etwas Gewaltiges hatte ich mir nicht im Traum vorgestellt. Jetzt waren Schreie zu hören, die das Brüllen im Hintergrund übertönten.

Ein neuer Eingeborener rannte an unserem Trupp vorbei. Es war irgendein Zweibeiner mit Armen, die bis zu den Knien reichten. Sein Fell hatte angefangen zu brennen. Ich bemerkte eine Art Gürtel mit zylindrischen elektronischen Modulen, die in Schlaufen steckten. Der panische Eingeborene bemerkte unseren Trupp und änderte augenblicklich die Richtung, mehr aus Angst als aus Überlegung.

„Renn nur Du pelziges Arschloch!“, brüllte Rivkin ihm lachend hinterher, „Du kannst rennen, aber Du kannst Dich nicht mehr verstecken!“

Zwei weitere Wesen rannten vorbei. Eines von ihnen ein stämmiger Vierbeiner, der mit einer Art Hunde-DNS aufgewertet sein musste. Ich blickte ihm hinterher, wie er die Flammenwand ansprang, die ihm entgegen raste. Ich konnte kaum glauben, dass etwas so Großes so unglaublich hoch springen konnte.

Doch selbst das brachte ihn nicht hoch genug. Die wütenden blauen Flammen erfassten seinen Unterleib und fraßen sich durch das gelbe Fell. Risse bildeten sich in dem schrumpelnden, schwarz angelaufenen Fleisch, und dampfende Flüssigkeit quoll daraus hervor. Das Wesen stieß einen erschütternden Todesschrei aus, während es in Flammen aufging.

„Heilige Scheiße, was für eine Show! Ich bin genial! Die mächtigste aller Waffen – Feuer! Boah!!! Ich habe Feuer gemacht!“, grinste Rivkin diabolisch.

„Jupp ich sehe es“, antwortete ich tonlos.
„Mitch?“, gurrte er mir ins Ohr und stieß mit seinem Helm gegen meinen.

„Schnauze“, knurrte ich zurück.

Die Flammen waren inzwischen kaum noch fünfzig Meter entfernt und näherten sich rasend schnell. Sie schossen sieben, acht Meter hoch in die Luft. Mein HUD-Display gab bereits Hitzewarnungen aus. Meine Panzerung wurde ganz weiß, um den massiven infraroten Strahleneinfall zu reflektieren. Ich erwartete die Flammen. Die Sensoren hatten zwei Lagen Filter aktiviert, um das abgrundartige Licht der Flammen zu bekämpfen.

Ich deaktivierte meine visuellen Helmsensoren ganz in dem verrückten Bemühen, das Entsetzen dadurch zu vertreiben. Es funktionierte nicht, die Dunkelheit war noch nervenaufreibender.

Mein Displaygitter hing in der Mitte von Nichts. Die Ziffern, die die externe Temperatur registrierten, begannen zu verschwimmen, als hätten sie stattdessen angefangen, Millisekunden zu zählen. Ich aktivierte die Sensoren wieder.

Die Flammen waren nur noch zehn Meter entfernt. Sam und Pirk murmelten Gebete an Ainuwar, ich hatte Mühe Daisy unten zu halten. Ich wäre am liebsten selbst ihrem Beispiel gefolgt und vor den Flammen geflohen. Ich wünschte ich hätte mich in dem Moment Sam und Pirk anschließen können, aber ich kannte keine Gebete.

Die Temperaturwarnungen waren so unglaublich, dass es fast wie ein Witz aussah.

Rings um mich herum verwelkte das Gras im Zeitraffertempo und Dampf strömte aus jedem Halm, während es schwarz wurde und zu schwelen begann. Dann brannte es über uns hinweg. Der Feuertsunami war plötzlich da.

Fast hätte seine Wucht uns vom Boden gerissen. Irgendwas packte meine Panzerung und begann daran zu rütteln, als wäre ich in einer Zeitlupenexplosion gefangen.

Ich konnte nichts sehen. Kein Diskriminierungsprogramm hätte etwas in dem flammenden Chaos erkannt, das gegen mich anbrandete. Ich sah nichts außer dem einen Displaygitter, das den Status meines Gear-Panzers anzeigte.

Jeder einzelne thermische Indikator sprang in Richtung Überlastung. Und doch lag ich dort, absolut komfortabel im Zentrum des Feuersturms. Ich hielt den Atem an, spannte jeden Muskel, als ich mich darauf vorbereitete bei lebendigem Leib geröstet zu werden. Ich zwang mich dazu ruhig und gelassen zu atmen. Nichts was ich unternahm, würde etwas bewirken.

Es hing alles nur noch von der Technologie unserer Einsatz-Gear ab.

Meine Hand fuhr zu Daisys Hals und der Stelle, an der ihr Anhänger hing. Rings um mich herum, begannen sich Muster zu materialisieren, schwache Schatten, die das unerträgliche Licht durch meinen Helm warf, und dann wurde es langsam wieder dunkel.

Es war wie Wasser, das über ein schmutziges Fenster lief und undeutliche Bilder dessen erzeugte, was sich dahinter befand.

Die Flammen erstarben und enthüllten ein Land, das vollkommen schwarz war. Spitze Wurzelknollen übersäten den gebackenen Erdboden, und noch immer quollen dichte blaue Rauchwölkchen hervor.

Ein dichter Ascheregen sank herab, und Flocken landeten auf jeder Oberfläche einschließlich unserer Gear. Ich wandte mich um und sah die Flammenwand keine zehn Meter hinter mir. Sie entfernte sich so rasch, wie sie gekommen war. Der Rest unserer Truppe lag in einem lockeren Kreis herum, schwarze Silhouetten vor dem massiven Gleißen des Feuers.

Als ich eine Hand hob, um sie zu untersuchen, sah ich, dass die obere Schicht der Panzerung in tiefem Rot glühte, während die Thermofasern ihre gewaltigen Ladung abstrahlten. Ich überflog meinen Status und stellte erleichtert fest, dass die Reserve ihre Integrität behalten hatte. Mit der Reserve konnte ich es locker zurück zum Schiff schaffen. Natürlich nur, wenn so eine Aktion nicht noch einmal vorkam.

Schlagartig erfüllte Lachen den Flow…
Rivkin hatte gute Laune.

Noch immer regnete Asche herab, doch ich weitete meine Sensorenerfassung aus und versuchte, den Regen zu durchdringen. Die zweite Welle von Buschfeuer wütete noch immer vor uns und sandte einen dichten Vorhang von Rauch und noch mehr Asche in den Himmel.

Ich konnte kaum glauben, wie viel Zerstörung sich in so großer Geschwindigkeit ausgebreitet hatte.

Die Zerstörung die wir losgelassen hatten, war inzwischen über einen Kilometer weit und dehnte sich noch immer aus. Ich fragte mich, wie weit die Zerstörung gehen würde. Nicht das Schuldgefühle aufgekommen wären.

`Meinst Du das Feuer hat schon unser Schiff erreicht?´, fragte Samir vorsichtig.
`Könnte sein, aber mach Dir darum keinen Kopf. Es übersteht viel gewaltigere Hitze´, antwortete Pirk.

`Schon, aber das Feuer hier war nicht normal! Schon mal blaues Feuer gesehen? Wer weiß wie das Schiff reagiert´, sagte Sam.
`Das Gute an dem Ganzen ist doch, jetzt kann sich niemand mehr verstecken und ungesehen an uns heranschleichen´, erklärte Rivkin stolz.

`Rivkin, es gibt niemanden mehr, der sich an uns heranschleichen könnte. Das was von den Leuten übrig ist, sieht aus wie ein Stück Kohle´, sagte ich.
`So liebe ich das, einfach und effektiv. Wenn es läuft, dann läuft es´, freute sich Riv.

Von der Straße, die sich durch die Hügel gezogen hatte, war nichts mehr zu sehen. Wir überprüften unsere Trägheitsleitsysteme und setzen uns wieder in Bewegung. Wir ließen den gefallenen Bruder zurück, es war nichts weiter als Asche in seinem geöffneten Anzug übrig.

Der Untergrund war noch immer sehr heiß, obwohl das für unsere Thermofasern kein Problem darstellte. Ich schulterte Daisy im Rettungsgriff, ich hängte sie mir also über die Schulter, damit sie sich nicht ihre Tatzen verbrannte. Unterwegs stießen wir immer wieder auf Flecken von Gras und sogar Bäumen, die völlig vom Feuer verschont geblieben waren.

Es schien keinen besonderen Grund dafür zu geben. Launen der Natur. Unebenheiten im Land, Bäche, die zu breit waren für das Feuer, um hinüber zu springen. Sogar ein paar Büsche mit Dornenblättern hatten mitten im Chaos überlebt.

Die Fabrik war ebenfalls bis auf die Grundmauern abgebrannt. Unser Säuberungsauftrag war gründlicher verlaufen als es überhaupt geplant war. Als wir wieder am Schiff ankamen, war der Teppich aus Asche mehrere Zentimeter dick. Er bedeckte alles. Böen wirbelten kleine Wolken auf, doch sie senkten sich schnell wieder herab als wir das Schiff betraten.

Und wir?
Wir hatten Chaos ins Chaos gebracht.


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